Ute Storjohann, Acryl, Aquarell, Kunst, Kindermalkurse, malen und zeichnen und mehr
1. Acrylmalen am 15.03.2008
2. Malen nach Musik - Vivaldi, Sirtaki, Chopin
3. und Traumreisen am  19.04.2008 -
4. zu Besuch bei Edvard Munch
5. zu Besuch bei Emil Nolde
6. zu Besuch bei Klaus Fußmann
7. zu Besuch bei Käthe Kollwitz
8. zu Besuch auf Schloss Gottorf (Expressionistenausstellung/100 Werke)

Acrylmalen - Maltag bei Evelin

März 15, 2008

Seit einigen Wochen freute ich mich schon auf diesen einen Tag. Den ganzen Tag malen, was für ein Luxus ist das. Am Freitag erledigte ich den Haushalt und überlegte mir, was meine Familie noch am Samstag übernehmen muss, verteilte diese Aufgaben und dann konnte ich den Maltag ganz entspannt beginnen.

Ganz gemütlich bei einem Tee erzählte E. der Gruppe (vormittags 3, nachmittags 4 Frauen), was sie mit uns erarbeiten wollte. Der Oberbegriff für den Maltag war Ausdrucksmalen (in Anlehnung an Arno Stein). Dieses Mal jedoch mit einem speziellen Thema: Kontraste: extremste Kontraste in Farbe, im Farbauftrag, innerhalb einer Farbe hell/dunkel.

Mmmmh, ich liebe eigentlich Farbharmonien! Aber ran an die Arbeit: Welche Farben nehme ich? Leinwand oder Papier? Groß oder klein? Pinsel, Spachtel, Hände, Schaumstoffwalze oder was?

Ich entschied mich für das Gelb und das Blauviolett mit dem Weiß und die nebenstehenden Farben zum Violett. Papier in der Größe 70 x 100 cm und großen Pinsel und die Finger.

Erst sanft die Farben mit viel Wasser verdünnt auftragen und auch etwas laufen lassen. Dann ohne viel zu überlegen mit den Fingern expressiv, dick und emotional Spuren hinterlassen. Ich bin irgendwie viel zu schnell fertig. Dieses Bild muss erst einmal beiseite gestellt werden.


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Das nächste Blatt Papier aufspannen. Jetzt mit einer Farbe und ihren Nachbarfarben Spannung aufbauen. Wie macht man das? Ich nehme das Violett. Gelb hat mir zu wenig Nuancierung. Wieder fange ich aquarellartig an, fühle mich sehr wohl dabei. Dann gehe ich expressiver mit Farbe und Spachtel an das Bild. Ich arbeite richtig, es strengt mich an. Aber es ist vom Gefühl her nicht unangenehm. Um dem Bild noch etwas mehr Spannung zu geben, setze ich etwas Rot hinein und auch noch sehr wenig Indigo vermischt mit Violett. Das Bild hat sehr helle Stellen und auch einige dunkle. Es sieht viel versprechend aus, aber noch nicht fertig. Etwas fehlt noch, um den Ausdruck zu steigern. Schwarze Tusche fein aufgetragen, das wär`s. E. hat nur noch einen Rest. Das reicht nicht aus für das große Bild und die Tintenpatronen sind eingetrocknet. Da muss ich wohl flexibel sein, rufe zu Hause an und beschreibe meinem Mann, wo die schwarze chinesische Tusche ist. Er bringt sie mir am Mittag. Ich muss warten und stelle seufzend das Bild erst einmal beiseite. Es fällt mir schwer, weil ich es liebe Bilder in “einem Guss” zu malen.

Ich fange ein neues Bild an. Das ist heute schon das Dritte. Dieses Mal noch einmal Farbkontraste. Auf meiner Palette ist sehr viel Farbe von den beiden vorangegangenen Bildern. Wieder fange ich aquarellartig mit großem Pinsel an. Diesmal entsteht erst ein Oval. Blaugrün ist die Hauptfarbe. Mit dem Spachtel trage ich auch Farbe auf, Kratze und schiebe die Farbe hin und her. Es ist so schön harmonisch. Da kommt E.. Welche Kontrastfarbe willst Du nehmen und “Pariser Blau” brauchst Du auch noch? Sie lässt nicht locker und so entscheide ich mich für Karminrot. Ist ja unser Thema heute. Setze es auf das Blaugrün und E. merkt kurz an: “Das wird braun! Ich finde es sehr gut, dass Du das Auge über dieses Blaugrün und Braun zum Karminrot lenkst.” Sie lässt wirklich nicht locker. Also setze ich noch zwei weiße Flecken, damit das Karminrot dann später auch schön leuchtet.

Ich kann nicht mehr, bin total ausgepowert und mein Magen macht komische Geräusche. Also ist eine Mittagspause angesagt. Mein Mann bringt die Tusche und beide Bilder trocknen, während ich im Atelier esse und sie betrachte. Die anderen Teilnehmer und E. gehen über Mittag ca. 1 1/2 Stunden weg. Ich bin ganz alleine im Atelier, umgeben von den unfertigen Bildern aller Teilnehmer. Das genieße ich sehr. Die Bilder aller Teilnehmer unterscheiden sich sehr. Ich mag das. Meine eigene Pause halte ich sehr kurz, weil ich furchtbar gerne ganz alleine im Atelier arbeite. Da entwickeln sich bei mir die Feinheiten oder letzten Pinselstriche oder Ideen zu meinen Bildern. Es ist einfach toll da zu sitzen und die Ideen fließen nur so.

Schnell das Blaugrüne fertig malen - es fehlt nur noch wenig und das Violette lockt. Das Karminrot reinsetzen und alles etwas verbinden. Nein, der letzte Kick fehlt noch. Ich nehme einen schwarzen Ölpastellstift und gehe damit über das gesamt Bild. Fertig! Ich bin zufrieden und fühle mich mit dem Endergebnis sehr wohl.


Dieses Bild war sehr schwer zu fotografieren. Ich habe x-Versuche gebraucht, bis ich zufrieden war. Es durfte nicht im Licht fotografiert werden, denn dann war es viel zu blau.

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Nun das Violette weiter malen. E. hat viele Zeichenfedern. Ich entscheide mich für eine uralte Glasfeder. Oben fast in der Mitte fange ich an, die Strukturen mit feinen Linien zu ergänzen. Gehe dann nach links, oh, etwas verwischt, schnell abwaschen und ist doch klar, die Tusche muss erst trocknen, also jetzt aufpassen! Ich sehe so viele Gestalten, Hemden, ein Zelt, Kristalle und und und. Jetzt zeichne ich meine Linien unten. Häh`, wieso fließt die Tusche nicht mehr, kann doch gar nicht angehen! Eben noch war es die tollste Feder, die ich je in der Hand hatte. Ein sehr weicher und gleichmäßiger Strich war doch mit ihr möglich. Meine Hand ist ganz schwarz. Jetzt hab` ich`s! Oben hielt ich die Feder richtig. Unten auch wie einen Schreiber, aber hier den Stil nach unten, da ich in der Hocke war und so fließt natürlich nichts. Hände waschen, Stil richtig halten und schon macht es wieder Spaß. Fast zwei Stunden brauche ich für die Ausarbeitung. Eine Teilnehmerin kommt zurück und bemerkt, dass ich so fein arbeite. Sie würde dort kräftiger rangehen - ich nicht! Die weiteren Teilnehmer und E. kommen wieder. E. bittet mich zu überdenken, ob ich nicht die eine rote Stelle etwas zurücknehmen möchte. Ich widersetze mich, ich brauche es an dieser Stelle so wie es ist.

Fertig! Wenn ich es so betrachte, dann sehe ich so viele Dinge dort und könnte fast eine Geschichte dazu erfinden, vielleicht, wenn ich einmal viel Zeit habe.


Es ist noch Zeit. Willst Du noch ein Bild anfangen?

Jein, aber es ist wirklich noch viel Zeit und ich kann die Restfarbe noch aufbrauchen. Flächenkontraste sollen es diesmal sein. Ich fange mit den vielen Farben an, setze Flächen und spachtele hinein. Es befinden sich alle Farben des Farbkreises auf meinem Blatt. Irgendwie fühle ich mich plötzlich überfordert. Zu viele verschiedene Farben, alles fällt auseinander, nichts geht mehr. Ich breche ab. Es ist genug.

E. überredet mich nach dieser Erfahrung doch noch einmal neu zu beginnen, denn es ist ja noch Zeit. Ein kleines Papier. Es ist schnell Farbe drauf und sieht auch wieder ganz locker aus. Also noch ein großes Papier, aber hier reicht meine Energie nur noch zum Auftragen der Restfarbe. Die letzten beiden Papiere lasse ich bei E. im Atelier. Das erste dieser Papiere hat einige schöne Stellen, die kann ich ausschneiden. Mit einem Passepartout schauen wir noch einmal. Ja, drei Stellen gefallen mir.


Das erste Bild des heutigen Tages betrachte ich auch noch einmal. Ich überlege, dass es auch noch ganz gut mit schwarzer Tusche überarbeitet werden könnte. Jedoch nicht mehr heute.

Es war für mich ein ganz wunderbar, erfüllter Tag. Ich bin total ausgepowert und müde, aber glücklich. Schön, dass ich bis zum nächsten Maltag diesmal nicht so lange warten muss. Bereits am 19. April darf ich wieder den ganzen Tag in Farben schwelgen. Ich freue mich schon jetzt darauf. Thema ist dann: Malen nach Musik und Traumreisen

Es grüßt Euch – Ute Storjohann

Und hier noch das fertige Bild - Bildtitel: Die Nachtburg


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Maltag bei Evelin – Acrylmalen - Thema: Malen nach Musik

 19.04.2008

Und wieder einmal ist Maltag. Um 10.00 Uhr beginnt der Kurstag. Wir, 5 Frauen, und Evelin stimmen uns mit einer Tasse Tee auf den Tag ein, entspannen etwas und kommen an. Evelin erzählt uns, dass sie drei Musikstücke für heute ausgesucht hat. Den Tag vorher wusste sie vor lauter Musik hören fast nicht mehr, welche Stücke sie denn nun nehmen soll. Wir sind gespannt. Bevor es los geht, haben wir alle die Qual der Wahl. Welche Papiergröße soll es heute sein? Acht mal A 3, zwei mal A 2, 70 x 100 cm oder das 70 x 100 cm Papier in drei Teile geteilt. Puuuh! Ich frage nach, welche Musikstücke wir denn hören werden, weil ich gerne danach das Papier aussuchen würde. Sie verrät es nicht. Mmmmmh! Da sitze ich nun und muss mich genau wie alle anderen blind entscheiden. Also gehe ich auf „Nummer Sicher“, das große 70 x 100 cm Blatt soll es sein. Auch die anderen Teilnehmerinnen, scheint mir, haben sich für die für sie üblichen Formate entschieden. Evelin schlägt vor, mit einem etwas kleineren Pinsel (24-iger) zu beginnen, damit das Papier nicht zu schnell voll gemalt ist. Da ich so gar nicht weiß, wo es in diesem Fall so bei mir längs gehen wird, nehme ich gerne den kleineren Pinsel. Zu dem Malprozess erzählt uns Evelin, dass sie die Musikstücke mit kleineren Pausen spielen wird. Gerne wird sie die Stücke auch ein zweites Mal hintereinander spielen. In den Musik freien Pausen können die Bilder noch etwas weiter entwickelt werden, müssen aber nicht. Sie schlägt vor, schon einmal alle Regenbogenfarben + Schwarz + Weiß in kleiner Menge bereit zu halten. Und nun geht es los.

 
Vivaldi – Frühling

Die Musik beginnt. Mir gefällt das klassische Stück. Und trotzdem habe ich das Gefühl, ich weiß gar nicht, was ich da tue. Teilweise kreist der Pinsel über das Papier und dann wieder springt er lustig und lebendig nach oben oder nach unten. Schnelle Farbwechsel sind kaum drin, denn die Musik nimmt gefangen und wieder muss der Pinsel schnell springen. Schon zu Ende! Für mich zu früh! Kurz setzen sich alle, betrachten ihre Bilder. Evelin sieht, dass meins noch gar nicht so weit ist, andere scheinen schon fertig. Sie macht mit dem Einverständnis aller die Musik ein zweites Mal an und alle malen noch etwas an ihrem Bild.

Ich bin nicht besonders zufrieden mit dem, was ich da so sehe. Teile gefallen mir schon, andere scheinen meinen Blick zu behindern. Einige großflächigen farbigen Teile passen mir so gar nicht. Wir haben vor dem nächsten Stück noch etwas Zeit, so dass ich sogleich die großen Flächen mir genehm mache, dass heißt sie werden türkisfarbig. Ist so schon besser, aber noch lange nicht gut.

Das Bild ruht jetzt etwas, weil wir das nächste Musikstück beginnen wollen.

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Nun suche ich mir das dreigeteilte Papier aus. Es wird nebeneinander auf die Malplatte geklebt, so dass man über die Klebestreifen hinweg auf allen dreien gleichzeitig malen kann.

 

Griechische Musik (Sirtaki Kofto)

 
Ich erkenne den Sirtaki sofort. Erinnere mich an meine Schulzeit. Dort haben wir die Tanzschritte gelernt und den Tanz getanzt. Mein Pinsel, in zarte verdünnte Farben getaucht, tanzt lauter Achten und E’s auf dem Papier – in Reihen. Am Ende der zwei Musikstücke angelangt, sehen meine Papiere aus, als ob ein Erstklässler lauter E oder L Buchstaben geübt hat. Es war schon eine schöne Erinnerung, die ich da eben so gelebt habe. Wieder eine Pause, Bilder betrachten. Möchte noch jemand an seinem Bild malen? Ich nicht, kommt irgendwie bei mir zu dieser Musik nichts „Richtiges“ zustande. Auch nichts auf dem man aufbauen und weitere Ideen erarbeiten könnte.

Das Bild beiseite stellen und für das nächste Musikstück neues Papier aufkleben. Ich nehme wieder das dreigeteilte Papier.


Chopin – Prelude Des-Dur Op. 28 Nr. 15 „Regentropfen“

 
Eine Klaviermelodie ertönt. Ganz schnell nehmen mich die Töne gefangen. Ich bin irgendwie gleich in der Musik angekommen und kann ganz unbedarft mit dem Pinsel spielen. Die Melodie tropft wunderschön. An sich bin ich kein Fan von Klaviermusik – ehrlich gesagt, gehen mir Klavierstücke häufig ganz schnell auf die Nerven und deshalb würde ich niemals in ein Klavierkonzert gehen. Aber dieses Stück ist wunderschön und viel zu schnell zu Ende. Kurze Pause, auf die Bilder schauen und jeder überlegt für sich, ob er an sein Bild noch einmal herangehen möchte. Ja, ich möchte unbedingt das Klavierstück noch einmal hören.

In aller Ruhe höre ich dem Stück zu und verstärke hier und dort Farbe und Tropfen, umrande ein paar Formen mit einem roten Ölpastellstift.

Ich bin zufrieden und möchte diese Bilderserie nun unverändert lassen, um das erste Ursprüngliche hierin zu spüren.

 


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Wir haben noch ungefähr eine halbe Stunde Zeit bis zur Mittagspause. Evelin ermutigt uns, nun mit unseren Bildern so um zu gehen wie sonst auch. Eben das aus unserer Sicht Beste oder für uns Interessanteste aus ihnen heraus zu holen. Sie fragt uns, wie wir uns mit unseren Arbeitsergebnissen bzw. dieser besonderen  Herangehensweise an ein mögliches Bild bisher fühlen, was dann auch sehr unterschiedlich ist. Ich werde von einer Teilnehmerin gefragt, ob ich beim Malen oft Musik höre. Ganz ehrlich, sobald ich zu Hause bin, ist das Erste (oft noch in der Jacke) Radio an, also ganz klar: ja, beim Malen spielt fast immer das Radio oder eine CD. Aber trotzdem habe ich noch nie bewusst ein Bild nach der gerade spielenden Musik begonnen. Es war für mich heute eine Premiere. Ausschließen will ich jedoch nicht, dass mich unbewusst die spielende Musik beim Malen meiner Bilder beeinflusst.

Evelin betrachtet mit jeder Teilnehmerin einzeln deren Bilder, gibt Anregungen, stellt Fragen, die möglicherweise weiter helfen und geht auf die Wünsche der Einzelnen ein.

 
Vivaldi – Frühling

 
Innerlich kämpfe ich mit meinem Vivaldi Frühlingsbild. Das springende lebendige hat eine harte gebogene Grenze, die die Schleifenspirale abtrennt und für sich stehen lässt. Noch kann ich die Grenze nicht ganz aufgeben. Ich verändere die Farbe von Violett in Blau. Es ist nicht besser, stört immer noch. Ich weiß es. Evelin hilft mir über den Berg und ich nehme das Feste weg indem ich es weiß überstreiche. Und wieder geht es ab zum Trocknen.

 
Mittagspause (Das Sirtaki Bild und Vivaldis Frühling)

 
Alle gehen in die Pause. Ich esse und sehe mich um, genieße die Atmosphäre wie immer. Rund eine Stunde bin ich für mich.

Das Sirtaki – Bild verlangt nach mir. Ich habe die Idee, es mit Chopins Regentropfen zu übermalen. Mindestens acht Mal höre ich die Melodie und male immer wieder auf dem Griechischen Bild, weiß, blau, indigo und karmin. Zuletzt gehe ich noch mit dem schwarzen Ölpastellstift hinein. Es ist ein echter Hingucker geworden. Ich setze sofort meine Signatur drunter – bloß nichts mehr ändern. Sirtaki ist Vergangenheit geworden – die Regentropfen haben sich durchgesetzt.

 


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Der Frühling von Vivaldi will auch noch etwas von mir. Ich suche die richtige CD und lasse die Melodie erklingen. Es klappt. Irgendwie beginne ich sie zu verstehen. Die ehemalige harte, trennende und dann weiß abgedeckte Rundung übermale ich mit Gelb. Auch das klare Orange muss noch auf das Papier. Die Spirale ist links zu lang, sie wird erst einmal weiß. Wiese nur sie? Ich male erst einmal ein weißes Quadrat. Es trocknet. Ich färbe das Quadrat vorsichtig ein. Wieder höre ich den Frühling springen und ganz von alleine springt auch der Pinsel. Fast fertig! Jetzt brauche ich entspannende Musik, ruhige Musik. Ich lege die CD von Loreena Mckennitt auf und male noch einige Stellen in meinem Bild in aller Ruhe fertig, Kleinigkeiten eben und dann auch noch zur Ausdrucksteigerung mit dem schwarzen Ölpastellstift den Schwung des Frühlings nach. Signatur drunter und bloß nichts mehr malen, es könnte alles verderben.

 


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Der Nachmittag steht im Zeichen des Malens nach einer Traumreise

 
Gegen 15.00 Uhr sind alle Teilnehmerinnen und Evelin wieder im Malraum. Evelin ist es sehr wichtig alle darüber zu unterrichten, dass hier niemand etwas muss oder soll, aber fast alles kann, wenn er möchte. Jeder von uns kann sich entscheiden, ob er sich auf eine Traumreise begeben möchte oder ob er an den schon vorhandenen Bildern weiter arbeitet oder ohne Traumreise ein neues Bild beginnt. Auch wer mit in ihren gemütlichen Entspannungsraum (alles in Orange gehalten – einfach wunderbar warm und gemütlich) im Kellerraum kommt, kann immer einfach aufstehen und zurück in den Malraum gehen, eben die Entspannungsübung oder die Traumreise abbrechen. Wer die Traumreise beginnt, muss sich zu nichts verpflichtet fühlen. Seine Gedanken können einfach spazieren gehen und gesprochenes ausblenden oder die Teilnehmerin kann ein kleines Nickerchen halten – jeder wie er möchte eben. Nehmt Euch alle Freiheit!

Alle Teilnehmerinnen gehen mit. Wir machen es uns auf Unterlagen mit Kissen gemütlich, legen die Beine auf den Sitzsack und decken uns zu. Nachdem alle eine sehr bequeme Liegestellung gefunden haben, beginnt Evelin mit der Entspannung: Die Arme liegen ganz entspannt ……. usw., das kennt ja fast jeder, oder?

Dieses Mal kann ich mich sehr gut entspannen. Schöne Bilder habe ich bereits gemalt, kein innerer (Arbeits-)Drang stört mich mehr. Die Traumreise beginnt und auch hierauf lasse ich mich heute gerne ein. Ich sehe in meinem persönlichen Raum Farben und Formen. Da möchte Evelin, dass wir unseren Raum wieder schließen. Ein bisschen sträube ich mich noch, gehe aber dann doch hinaus. Langsam finden wir alle wieder in die Wirklichkeit zurück, gehen nach oben an unseren Malplatz und beginnen mit unseren neuen Bildern oder manche arbeiten auch auf ihren angefangenen Arbeiten weiter.

Mein Bild ist eine liegende rote Blume, ein Blütenblatt am oberen Blattrand und eines über den Stängel des Blumenstils gelegt. Der Hintergrund aquarellig gestaltet. Ich bin mit dem Ergebnis, der Raumaufteilung, irgendwie nicht so glücklich. Evelin merkt das und fragt: Was würdest Du als erstes ändern? Es hilft mir weiter. Die beiden losen Blütenblätter werden mit weißer Farbe übermalt und das Bild zum Trocknen beiseite gestellt.

Ich nehme vom letzten Maltag ein altes Bild (50 x 70 cm) und beginne dort, mir vier Rechtecke mit dem Ölpastellstift ab zu teilen, habe dann aber die Idee, wieder mit der schwarzen Tusche zu arbeiten. Auf Evelins Rat hin setze ich auch größere schwarze Flächen. Plötzlich setze ich neue Formen (eine Art Sonne) – sie stört mich genauso wie die Rechtecke – ich breche ab. Ich überlege, entweder schneide ich Teile (Postkarten heraus) oder trenne etwas vom linken Bildrand ab oder übermale störende Flächen mit weiß. Heute nicht mehr. Irgendwann weiß ich, was ich will und werde es umsetzen. Im Moment finde ich es doch wieder gar nicht so schlecht – es schwankt eben mit meiner Meinung – lach.

 


 

Und nun noch einmal zurück an das Traumbild. Ich ergänze die eine Blüte um eine weitere und setze noch drei weiße Blüten mit Stängeln und Blättern dazu. Oh, 18.00 Uhr, es ist Zeit auf zu räumen. Schön war es wieder. Dieses letzte Bild werde ich zu Hause vollenden, einige Schatten setzen, aber sonst nicht mehr all zu viel hinzu setzen.

 


 

Tschüss, ihr Lieben, bis zum nächsten Mal, im September zum nächsten Ausdrucksmalen.

 Es grüßt Euch – Ute Storjohann

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Zu Besuch bei Edvard Munch

 
Im April 2006 machte ich mich auf, um Edvard Munch in der Hamburger Kunsthalle zu besuchen. Da ich kein Auto zur Verfügung hatte, fuhr ich mit der Bahn. Reine Fahrzeit bis zum Hauptbahnhof ist rund 1 Stunde. Doch für mich ist es nie eine verlorene Stunde, denn immer wenn ich mit der Bahn nach Hamburg fahre, begegne ich den Orten meiner Kindheit und erinnere mich sehr gerne im Laufe der Fahrt an diese Zeit. An der Haltestelle “Hutwalckerstraße” ist der Winterhuder Marktplatz, dort kauften wir ein. An der Haltestelle “Lattenkamp” war das Schwimmbad, in dem ich schwimmen lernte, und natürlich die Grundschule, die mein Bruder und ich besuchten. Ja, da gibt es dann noch den Stadtpark, in dem wir spazierten, spielten und das Eislaufen am Wasserturm versuchten. Auch die Haltestellen “Eppendorf”, “Sengelmannstraße”, “Langenhorn”, “Ohlsdorf” und “Barmbek” verbinde ich mit sehr persönlichen Erinnerungen und so wurde auch diese Reise zu Edvard Munch, wie jede Bahnreise nach Hamburg, schon unterwegs zu einer Reise zu meinen Erinnerungen.

Am Hauptbahnhof angekommen, ist es nicht mehr weit bis zur Kunsthalle. Diesmal mein dritter Besuch dort überhaupt und wieder alleine. Ich hatte mir extra diesen ganzen Tag frei genommen, um Edvard Munchs Bilder zu sehen. Der Altbaueingang mit seiner altmodischen, großen Drehtür ließ mich ein. Ich gab meine Jacke ab, kaufte die Eintrittkarte und begann meinen Besuch.

Von Edvard Munch kannte ich nur die bekannten Bilder “Der Schrei” und die “Madonna”, sonst nichts.

Für mich war es eine große Überraschung, dass er auch große farbige Ölbilder gemalt hatte, die nichts von seiner Schwermut verrieten. Es fanden sich auch einige, wenige, farbige, großformatige Portraits, die mich jedoch nicht sehr berührten, obwohl sie bestimmt sehr gut gemalt waren. Bis auf ein einziges: Drei Mädchen stehen auf einer Brücke, zwei mit dem Rücken zum Betrachter. Ich meine mich zu erinnern, dass alle einen großen Hut trugen. Die Figuren waren irgendwie, ich kann es nicht anders ausdrücken, liebevoll gemalt und die Szenerie hatte so etwas Friedliches.

Die schwarz weiß Bilder von Edvard Munch waren alle kleinformatiger. Sowohl die Portraits als auch die Zeichnungen, Drucke und Skizzen, berührten mich sehr. Sie waren so voller Emotionen, häufig sehr bedrückend, so dass man sie nicht so schnell vergessen konnte. Sie erzählten mir die Lebensgeschichte von Edvard Munch ohne Worte. All sein Grausen, seine Angst, seine Erlebnisse waren sehr plastisch in seinen Zeichnungen, Drucken und Skizzen erlebbar. Seine eigenartige Beziehung zu Frauen war ebenfalls dargestellt. Ich verstand diese Bilder nicht immer.

Die Bilder und Skizzen zum Tode seiner Mutter und seiner Schwester Sophie ließen mich schaudern. Ich war froh, diesen Ausstellungsteil hinter mir lassen zu können.

Für mich ist Edvard Munch ein großer Künstler gewesen, der seine Schaffenskraft aus sich selbst herauszog und mit Hilfe seiner Bilder seine Gefühle offenbarte. Ganz offensichtlich ist seine Seele an den vielen schrecklichen Erlebnissen seines Lebens zerbrochen. Das Bild “Der Schrei” war für ihn, in meinen Augen, entweder der Versuch, sich von seinem persönlichen Albtraum zu befreien oder ein Hilfeschrei.

Ich selbst male nur, wenn es mir gut geht. Es ist sehr mutig, sich, so wie es Edvard Munch tat, zu öffnen und Bilder seines Innersten zu malen und auch zu zeigen.

Zum Abschluss meines Besuches ging ich noch in die kleine Bibliothek, kaufte dort das Buch “Edvard Munch …… aus dem modernen Seelenleben” der Hamburger Kunsthallen, Hachmannedition. Zu Hause konnte ich dann noch einmal alles über das Leben dieses besonderen Malers nachlesen und seine in der Hamburger Kunsthalle gezeigten Bilder betrachten.

Ein halbes Jahr später hatte ich das Glück, noch einmal Revue passieren lassen zu können und das mit Hilfe von Dr. Hans Thomas Carstensen (Hamburger Kunstprofessor). Er hielt an der hiesigen Volkshochschule ein wunderbar einfühlsames Referat (begleitet durch Dias der Bilder Edvard Munchs) über den Künstler Edvard Munch. Hier bekam ich, neben den Seelenbildern, noch weitere frühe Bilder des Malers zu sehen, die noch nicht überschattet von seinen Seelenkämpfen waren.

Genau wie der Tagesbesuch in Hamburg war dies ein eindrucksvoller Abend.

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Zu Besuch bei Emil Nolde

Per Zufall sah einer meiner Lehrer meiner Schulzeit Blumenbilder von mir und es rutschte ihm so heraus: “Wie Emil Nolde”. Ich verstand damals diesen Satz nicht, denn ich kannte keinen Emil Nolde. Wer war das? Bald suchte ich nach Informationen und wurde natürlich auch fündig. Es gibt unendlich viele Bücher über diesen wunderbaren Maler. Nach dem Studium einiger Bücher und der Betrachtung seiner Bilder, kam ich darauf, was mein Lehrer mit seiner Aussage gemeint haben könnte. Er sah wohl in meinen Blumenbildern die gleiche Unmittelbarkeit und Farbkraft wie in Noldes Bildern (Ich selbst würde es nie wagen, mich mit Emil Nolde zu vergleichen). Stark vereinfacht und wie im Garten stehend und leuchtend springen Noldes Blumenbilder dem Betrachter sofort ins Auge. Ich mag diese Vereinfachung und Unmittelbarkeit sehr, sie verbindet einen wunderbar mit der Natur. Nichts ist dort perfekt, alles wächst, gedeiht und vergeht dann wieder, um im nächsten Jahr wieder zu beginnen. Alles ist irgendwie so einfach und unkompliziert, aber ich schweife ab.

Eigentlich wollte ich von meinem Besuch im Museum in Seebüll erzählen.

So kam ich tatsächlich im Kalenderjahr 2005 über Flensburg nach Seebüll. Doch so dicht ist es gar nicht bei Flensburg. Eine gute halbe Stunde Fahrzeit muss man da schon einplanen. Seebüll liegt dann ganz versteckt, “jwd in der Wallachei.” Ab einem bestimmten Punkt sind die Straßen unglaublich schmal, rechts und links gibt es nur noch flaches Land mit hohen Gräsern soweit das Auge reicht. Wenn nicht ab und zu Hinweisschilder auftauchen würden, zweifelt man schon, ob man sich noch auf der richtigen Wegstrecke befindet.

Angekommen! Ein schöner Weg zwischen Gräsern, die sich im Wind biegen, führt zum Haus. Links ist weit entfernt ein altes Bauernhaus auf einer kleinen Anhöhe zu sehen. Auch das Haus von Emil Nolde steht etwas erhöht. Es ist dunkel und kastig mit Flachdach. Wenn man bedenkt in welcher Zeit und Umgebung (Es gab damals dort ganz sicher fast nur Bauernhäuser mit Strohdach.) es gebaut wurde, dann war dieses Haus sicher revolutionär. Auch das passt irgendwie zu seinem Freigeist, der sich ebenfalls in seinen Bildern ausdrückt.

Enge Flure, schmale alte Holztreppen, große und kleine Räume erwarten den Besucher. Im Keller befinden sich die biblischen Bilder. Mich erschrecken die groben, leidenden und verhärmten Figuren in seiner Bildern. Das hatte ich nicht erwartet.

Weiter geht es in den großen höher gelegenen Raum. Dort befinden sich viele Ölgemälde, dicht an dicht. Große Bilder mit starker Leuchtkraft. Blumenbilder, Menschen- und Landschaftsbildnisse in großen Formaten. Hier fühle ich mich wohler. Die Bilder vermitteln mir Energie, Lebens- und Schaffenskraft, die Liebe zur Natur und den Menschen. Aber ein bisschen erschlägt und beunruhigt mich auch die Kraft der Farben.

In den oberen kleinen Räumen dann treffe ich auf die ungemalten Bilder, kleine Aquarelle und Aquarelle auf Japanpapier. Diese Bilder faszinieren mich, diese Räume sind meine. Die schlichten Motive wurden mit sicherem Strich gemalt. Die Farben leuchten auch hier. Kleinere Formate und die Sanftheit des Aquarells wirken beruhigend, und so als wäre ich angekommen, auf mich. Hier halte ich mich am längsten auf und genieße den Anblick der einzigartigen Bilder Emil Noldes.

Dann geht es hinaus in den Garten. Er ist faszinierend. Die Beete sind wunderschön angelegt. Da es September ist, beherrschen Astern und Dahlien in allen Formen, Farben und Größen das Bild. Ein wunderschöner Bauerngarten, der ganz sicher zu jeder Jahreszeit seine Farbenpracht entfaltet, begeistert mich. Ich verstehe die Verbundenheit Emil Noldes zu den Blumen bei diesem Anblick voll und ganz.

Ganz erfüllt von den Eindrücken geht es auf den Heimweg. Bis heute (2008) ist die Erinnerung an diesen Besuch bei Emil Nolde für mich ganz unmittelbar, als wäre es erst gestern gewesen.

Ich hoffe sehr, dass ich ihn eines Tages wieder dort, wo er für immer lebendig ist, besuchen kann.

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Zu Besuch bei Klaus Fußmann – in Schleswig, Schloss Gottorf, im Kreuzstall

 
26.06.2008

 Zum 70. Geburtstag von Klaus Fußmann gibt es im Kreuzstall eine Sonderausstellung mit Werken des Malers. Die Ausstellung beinhaltet sowohl Aquarelle als auch Ölbilder. Die Aquarelle gefielen mir größtenteils gut. Hier sind einige kleinformatige Blumenbilder in Aquarell für mich ganz besondere Schätze gewesen. Auch findet man in Schautischen viele Aquarelle, ein Tisch Blumenmotive und ein Tisch Landschafts- und Farbmotive, in Postkartenformat.

Ölbilder hat er mehrfach in verschiedenen Formaten, das Motiv in unterschiedlichen Farbrichtungen oder das Stillleben verschiedener Krüge, Vasen und Porzellanschalen unterschiedlich angeordnet immer wieder gemalt.

Die Farbigkeit der Ölbilder ist eher gedeckt (einzige Ausnahme sind die verschiedenen Varianten des Einhorns/Pferdes mit der extrem grünen Wiesenfläche), während die Aquarelle leuchten.

Bei den großformatigen Ölbildern gefiel mir besonders sein „Modell mit dem violetten Tuch“ (den Bildtitel: Name des Modells, weiß ich leider nicht mehr genau). Sowohl die Farbigkeit als auch der Ausdruck, den die Frau mir vermittelte sprach mich an.

Das Bild „wie lange noch“ stellt einen Wald dar, auf den ersten Blick sehr schön. Auf den zweiten Blick sind die kahlen Spitzen der Bäume deutlich sichtbar. Ein Mahnmal gegen die Umweltverschmutzung, ein großartiges Bild, das zum Nachdenken anregt.

Gar nicht anfreunden konnte ich mich mit den grob und megadick aufgeklatschten Ölschichten auf einigen kleinformatigen Bildern.

Alles in allem war es sehr interessant, die Arbeitsweise des Klaus Fußmann zu sehen und vor allem, was ich bisher noch in keiner Ausstellung sah, das mehrfach abgebildete Motiv aus unterschiedlichen Sichtweisen mit unterschiedlichen Farben.

 

Es grüßt Euch - Ute


Zu Besuch bei Käthe Kollwitz auf Schloss Gottorf

26.06.2008

Ziemlich neugierig war ich, was mich wohl in der Galerie der Klassischen Moderne auf Schloss Gottorf erwarten würde. Ich wurde nicht enttäuscht.

Im Eingangsbereich befinden sich eine sehr schöne modern gehaltene Cafeteria und die Möglichkeit, Erinnerungsbildbände oder Karten mit nach Hause zu nehmen. Die Ausstellung beginnt mit Bildern des Schülerwettbewerbes „Jugend im Museum“. Die Schüler haben sich mit dem Expressionismus beschäftigt. Lebhafte wunderbare nachempfundene „Nolde Bilder“ hängen an den Wänden, ebenso wie bunte expressionistische Selbstportraits. Dem schließen sich echte Noldes und Expressionisten wie Jawlenski, Otto Müller und noch mehr große Namen an. Die Portraits aus Neuguinea von Emil Nolde haben mich überrascht. Sie sind wunderbar fein gearbeitet, wo ich sonst häufig die groben Menschen Emils gesehen hatte. Sie begeistern mich sehr.

Ein echtes Highlight ist dann jedoch die Käthe Kollwitz Sammlung. Großartige Zeichnungen! Portraits, Selbstportraits und Menschenbilder werden gezeigt. Sie lebte in einer sehr schwierigen Zeit und musste den zweiten Weltkrieg erleben. Gekonnt hat sie das Leid der Menschen eingefangen und auch anhand der Selbstportraits war erkennbar, wie schwer ihr eigenes Leben gewesen sein musste. Hunger, viele Frauen, die eng zusammenrückten und ums Überleben kämpften – wenig Männer, Kinder, waren ihre Themen. Soziale Not hat sie grandios dargestellt. Plakatentwürfe wie „Unsere Kinder sollen nicht mehr hungern“, „Lasst die Kriegsgefangenen frei“, finden sich auch in der Ausstellung. Ich bin schwer beeindruckt. Käthe Kollwitz war für mich eine Kämpferin für die sozialen Belange der Menschen ihrer Zeit.

 
Es grüßt Euch - Ute


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Zu Besuch auf Schloss Gottorf in Schleswig an der Schlei

 
25. März 2008

Schloss Gottorf, wann war ich zuletzt einmal da? Ja, hier bei uns war und ist es immer noch so, dass fast alle 4. Klassen unserer Grundschulen Schloss Gottorf, Haitabu und den Schleswiger Dom besuchen. Es ist ja nicht weit, rund 1 Std. Fahrt über die A 7 und schon ist man da.

Ich habe nur noch verschwommene Erinnerungen – es ist eben sehr lange her, dass ich mir die Moorleichen und auch Haitabu angesehen hatte. Es wird wirklich Zeit, den Besuch einmal zu wiederholen und die Erinnerung aufzufrischen. Ich freue mich auf den Ausflug, freue mich ganz besonders auf die Kunstausstellung der Berliner Brücke Maler. Das Gute und Besondere an Schloss Gottorf ist, dass hier jeder Besucher etwas für ihn Interessantes entdecken kann. Wer allerdings alles sehen möchte, sollte sich 2 – 3 Tage Zeit nehmen. Schloss Gottorf bietet nämlich: den Kunst- und Kulturgeschichtlichen Rundgang vom Mittelalter bis zum Jugendstil, die archäologischen Ausstellungen von der Steinzeit bis zum Mittelalter, Ethnologische Ausstellungen (Afrika, Samurai, Sápmi), die Nydamhalle, eine Kutchensammlung, die Galerie der Klassischen Moderne, den Kreuzstall (Kunst, Kunsthandwerk und Design des 20.Jahrhunderts) die Reithalle (Sonderausstellung Wilhelm Busch). Auch im Eintritt enthalten ist der Besuch des Volkskundemuseums Schleswig (nur 900 m entfernt), der Barockgarten mit dem Globushaus und der Skulpturenpark der Schlossinsel.


Bei Sonne, Wolken und eisigem Wind geht es also eine Stunde gen Norden. Autobahnabfahrt Schleswig - Jagel geht es ab und schon bald habe ich einen wunderbaren Blick auf die Schlei und den berühmten Schleswiger Dom, in dem sich der berühmte Brüggemann Altar befindet.

Links auf der Schlossinsel erblicke ich Schloss Gottorf.

Stiftung Gottorf zeigt Höhepunkte aus dem Berliner Brücke Museum

(Auswahl mit 100 Werken)

 Als erstes geht es in die Ausstellung der Expressionisten. Die Ausstellung beginnt mit den fröhlichen, leuchtenden Ölgemälden und geht dann über in Holzschnittarbeiten auf kleinem Format.

 
Mir gefallen auf Anhieb die Friesenhäuser I von Emil Nolde. Die Wärme und die Liebe Noldes zu seiner Heimat kommen da total durch. Auch eine kleine Aktradierung des Malers von 1906 sowie ein Selbstportrait von 1908 (Strich- und Tonätzung) sagen mir sehr zu.

Das Bild „Artistin – Marcella“, 1910, von Ernst Ludwig Kirchner, in grün mit wenig rot gehalten, mag ich auch sehr. Es wirkt sehr harmonisch und hat durch die roten Hausschuhe doch eine gewisse Spannung. Der Farbholzschnitt „Burg bei Chemnitz“(14,1 x 12 cm) von 1904 gefällt mir ebenfalls sehr. Vor allem die Farbgebung gelb, blau und wenig rot spricht mich an. “Schlachthofbahn im Winter“ ein Holzschnitt von 1906 besticht durch die wilde, expressive Holzschnittarbeit des Malers. Es wirkt so, als ob er in einem Rausch gearbeitet hat, eben sehr emotional. Ich bewundere es sehr, wie man auf so kleiner Fläche (22 x 25,3 cm) so ausdrucksstark arbeiten kann.

Bei den Bildern „Mädchen mit geneigtem Kopf“ (1904) und „Hockender Mädchenakt mit langem roten Haar“ (1904), zwei Aquarellen, ist die Unmittelbarkeit und Leichtigkeit des Farbauftrages gut zu spüren. Die Farbkontraste Orange/Blaugrün und Rot/Grün setzen die Motive gekonnt in Szene.

Der Holzschnitt „Stiere“ (1908) wirkt auf mich impulsiv gearbeitet. Beim Betrachten habe ich das Gefühl, als würden die beiden Stiere jetzt, in diesem Moment miteinander kämpfen. Die Farbgebung Schwarz/Weiß unterstreicht irgendwie die Aggressivität der Tiere.

Auch bei Karl Schmidt - Rottluff  finde ich ein wunderschönes Aquarell. Der „Vareler Hafen“ von 1909 ist ein Bild, das wie aus einem Guss wirkt. Es zeigt Häuser, Schiffe und Spiegelungen. Herrlichste leuchtende Farben ziehen mich in den Bann. Die klaren Farben wurden unmittelbar und sicher neben einander gesetzt. Nachträglich wurden von dem Maler noch einige schwarze Tuschelinien gezogen, die  wunderbar mit den Aquarellfarbflächen harmonieren.

Zwei kleine Holzschnitte des Malers Fritz Bleyl fallen mir auf. Da ist einmal der Holzschnitt „Stehender weiblicher Akt“  in der Größe 10,1 x 2,1 cm und zum Zweiten das Bild „Winter“  (17 x 9,9 cm), beide von 1905. Sie fallen irgendwie aus dem Rahmen. Später lese ich nach und finde heraus, dass sie dem Kompositionsschemata japanischer Farbholzschnitte entsprechen. Sie sind also wirklich etwas Besonderes.

Max Pechstein begeistert mich mit dem Ölbild „ Das gelbschwarze Trikot“ von 1909. Durch die Farbgebung Orange/Gelb und Grün kann ich die Sommerhitze geradezu spüren. Und die Krönung seiner hier gezeigten Bilder ist das sehr große Ölbild „Fischerboot“ von 1913 (190 x 96 cm). Das Schaukeln des Bootes auf dem stürmischen Meer unter dunklen dicken Wolken, die Anstrengung, Willenskraft und Angst in den Gesichtern der Ruderer ist beim Betrachten spürbar.

Auffallend ist für mich auch die Lithographie „Tänzerin (Tänzerpaar)“ aus dem Jahr 1909. Sie wirkt irgendwie humorig, frivol bis leicht zynisch auf mich.

Zu Otto Muellers Bildern und Drucken finde ich irgendwie nicht so richtig den Zugang. Sowohl die Figuren als auch die Farbigkeit seiner Bilder sprechen mich nicht wirklich an.

Namen, Größen und aus welchem Jahrgang die gezeigten Bilder waren, konnte ich mir natürlich so nicht merken. Ich entnahm diese Details aus dem Begleitbuch „Brücke High-Lights“, Magdalena M. Moeller, Hirmer Verlag München. In diesem Buch findet man alle 100 Bilder der Ausstellung und noch zusätzlich 147 weitere Werke mit Erläuterungen zu den einzelnen Bildern und Malern.

 

Die Ganzheit als Ziel – Stiftung Reinhardt und Johanna Guldager

Im 3. Obergeschoss des Schlosses Gottorf treffe ich ganz überraschend auf die Sammlung der Stiftung R. und J. Guldager. Es handelt sich hierbei um eine ethnologische Sammlung – Afrika. Das Ehepaar Guldager war einige Zeit in Afrika in der Entwicklungshilfe tätig. Sie brachten von dort afrikanische Masken, Schmuck und vieles mehr mit. Die Masken sind überwiegend aus Holz gearbeitet und mit verschiedenen Naturmaterialien verziert. Zu jeder Maske ist beschrieben, welchem Zweck sie dient, z. B. ist mir hier in Erinnerung geblieben – für die Verkündung des Todes eines Stammesangehörigen.  Auch findet man in den Räumen verschiedene Entwicklungsprojekte erklärt.

Ganz besonders interessieren mich jedoch die Aquarelle von Reinhardt Guldager. Er hat mit sicheren Pinselstrichen in kräftigen Farben sowohl die Masken als auch die Menschen auf verschiedenen Papieren festgehalten. Fesselnd sind die Blicke der Menschen. Sie sind nicht als einfache Portraits dargestellt, sondern vermitteln die Lebenssituation der Personen. Das gefällt mir ganz besonders daran.

Es grüßt Euch - Ute


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